Deutschlandweite Einführung einer beitragsfreien bioregionalen und klimafreundlichen Schul- und Kitaverpflegung

Antragsteller*innen: Vorstand

Datum: 29.1.2024

Antrag:

Das Netzwerk der Ernährungsräte fordert die flächendeckende Einführung einer beitragsfreien, bioregionalen und klimafreundlichen Schul- und Kitaverpflegung für alle Kinder und Jugendlichen in Deutschland. Ziel muss es sein, Chancengleichheit zu schaffen, die Gesundheit der Kinder zu fördern, regionale Wertschöpfungskreisläufe zu stärken und einen Beitrag zum Umwelt- und Klimaschutz im Sinne der Planetary Health zu leisten. Die regionalen Ernährungsräte leisten hierbei als zentrale Akteur:innen mit ihrer Expertise und ihren Netzwerken entscheidende Unterstützung.

Beitragsfreie Schul- und Kitaverpflegung ist sozial gerecht

Die Verpflegung von Kindern und Jugendlichen sollte nicht von finanziellen Ressourcen abhängen. Eine beitragsfreie Schul- und Kitaverpflegung beseitigt soziale Hürden und stellt sicher, dass alle Kinder unabhängig von ihrer Herkunft Zugang zu vollwertigen Mahlzeiten haben. Dies schafft Chancengleichheit, fördert die Konzentrationsfähigkeit und unterstützt die körperliche sowie geistige Entwicklung der Kinder.

Gesunde Ernährung für eine bessere Zukunft

Eine ausgewogene und gesunde Ernährung ist essenziell für die Prävention von ernährungsmitbedingten Krankheiten. Durch die Bereitstellung von frischen und nährstoffreichen Mahlzeiten in Schulen und Kitas wird die Grundlage für eine gesunde Lebensweise gelegt. Kinder lernen früh den Wert guter Ernährung kennen, was sich positiv auf ihre langfristige Gesundheit auswirkt. Zudem trägt die Maßnahme zur Reduktion sogenannter versteckter Kosten im Gesundheitssystem bei, da ernährungsmitbedingte Erkrankungen präventiv vermieden werden.

Stärkung regionaler Landwirtschaft durch Bioregionalität

Die Ausrichtung auf bioregionale Lebensmittel fördert lokale landwirtschaftliche Betriebe und unterstützt nachhaltige Anbau- und Produktionsmethoden. Regionale Lieferketten reduzieren Transportwege, verbessern die CO₂-Bilanz und tragen zur Sicherung von Arbeitsplätzen in der Region bei. Dies stärkt nicht nur die lokale Wirtschaft, sondern sorgt auch für eine höhere Qualität der Schul- und Kitaverpflegung. Insbesondere der Ausbau regionaler Wertschöpfungsketten für pflanzliche Produkte stärkt den Selbstversorgungsgrad Deutschlands im Bereich pflanzlicher Lebensmittel.

Ein Beitrag zum Klima-, Umwelt- und Artenschutz

Die Verwendung biologischer und regionaler Lebensmittel trägt zur Reduktion des ökologischen Fußabdrucks bei. Ein großer Hebel für eine nachhaltige Kita- und Schulverpflegung liegt zudem in der Reduktion des Einsatzes tierischer Produkte. Aus Klimaschutzgründen ist es unerlässlich, den Verzehr von Fleisch und Milchprodukten zu reduzieren und stattdessen klimafreundliche pflanzliche Alternativen wie Hülsenfrüchte zu fördern. Täglich sollte es mindestens eine vegane Wahlmöglichkeit geben. Zusätzlich zum Klimaschutz spielt die Förderung der biologischen Vielfalt eine zentrale Rolle: Nachhaltige Anbaumethoden und regionale Wertschöpfungsketten tragen aktiv zum Erhalt der Biodiversität bei. Eine nachhaltige Schul- und Kitaverpflegung verbindet Umweltverantwortung mit dem Wohl der Kinder.

Die Rolle der regionalen Ernährungsräte

Die regionalen Ernährungsräte spielen eine Schlüsselrolle in der Umsetzung einer beitragsfreien und bioregionalen, klimafreundlichen Schul- und Kitaverpflegung. Mit ihrer Expertise beraten sie Schulen, Kitas und Kommunen bei der Entwicklung von Verpflegungskonzepten, die an die Planetary Health Diet angelehnt sind. Sie fördern Kooperationen zwischen Landwirt:innen, Caterern und Bildungseinrichtungen und bauen regionale Lieferketten auf. Darüber hinaus leisten die Ernährungsräte durch ihre Netzwerkarbeit einen entscheidenden Beitrag zur Verbreitung bewährter Praktiken und zum Wissenstransfer. Mit Sensibilisierungskampagnen und Veranstaltungen stärken sie das Bewusstsein für die Bedeutung gesunder und nachhaltiger Ernährung. Ihre Monitoring- und Evaluationsarbeit stellt sicher, dass die Schul- und Kitaverpflegung kontinuierlich verbessert wird.

Wie die Umsetzung gelingen kann

Die Finanzierung der beitragsfreien Schul- und Kitaverpflegung muss durch Bundes- und Landesmittel sichergestellt werden. Dies erfordert Investitionen in die Bildungsinfrastruktur, insbesondere in den Ausbau von Frischküchen in Kitas und Schulen. Zudem müssen Küchenkräfte gezielt geschult werden, um den Anforderungen an bioregionale und klimafreundliche Verpflegung gerecht zu werden. Ein zentrales Element der Umsetzung ist eine Reform der kommunalen Finanzierung. Die Bereitstellung der notwendigen finanziellen Mittel für eine nachhaltige und beitragsfreie Verpflegung darf nicht allein von der Haushaltssituation der jeweiligen Kommune abhängen. Vielmehr braucht es eine übergeordnete Finanzierungsstrategie, die sicherstellt, dass alle Kinder unabhängig vom Wohnort Zugang zu einer gesunden und nachhaltigen Verpflegung haben. Darüber hinaus müssen verbindliche Qualitätsstandards für die Schul- und Kitaverpflegung entwickelt und regelmäßig überprüft werden. Diese Standards sollen sicherstellen, dass die Mahlzeiten vereinbar mit den planetaren Grenzen sind und gleichzeitig zur Ernährungsbildung und zur menschlichen Gesundheit beitragen. Ebenso kann die biologische und regionale Qualität der Lebensmittel gewährleistet bzw. überprüfbar gemacht werden.

Die Orientierung an der Planetary Health Diet sollte als Leitbild dienen. Um Akzeptanz und Zufriedenheit zu gewährleisten, sollten alle Beteiligten aktiv in die Gestaltung der Speisepläne einbezogen werden. Um die Öffentlichkeit für dieses Vorhaben zu gewinnen, sind umfassende Informationskampagnen notwendig. Erfolgreiche Beispiele aus Kommunen, die bereits ähnliche Modelle umgesetzt haben, können als Inspiration dienen. Diese Vorbilder zeigen, dass eine nachhaltige, bioregionale Schul- und Kitaverpflegung realisierbar und vorteilhaft ist.

Forderung

Das Netzwerk der Ernährungsräte fordert die Bundesregierung und die jeweiligen Landesregierungen auf, die flächendeckende Einführung einer beitragsfreien, bioregionalen und klimafreundlichen Schul- und Kitaverpflegung im Sinne der Planetary Health aktiv voranzutreiben. Gleichzeitig appelliert das Netzwerk an Kommunen, Schulen, Kitas und alle relevanten Akteur:innen, sich in den Planungs- und Umsetzungsprozess einzubringen. Die regionalen Ernährungsräte stehen als kompetente Partner:innen bereit, ihre Expertise, Netzwerke und Erfahrungen für die erfolgreiche Umsetzung dieses Vorhabens einzusetzen.